07.11.2011 Ausstellungseröffnung: Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933

Begrüßung:
Klaus Böger, LSB-Präsident Berlin
Einleitung:
Prof. Dr. Hans Joachim Teichler, Universität Potsdam

75 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen von 1936 in Berlin kamen die „Vergessene Rekorde“ in die Bundeshauptstadt zurück. Die von der Universität Potsdam in Zusammenarbeit mit dem Zentrum deutsche Sportgeschichte Berlin-Brandenburg e.V. bereits 2009 erarbeitete Schau erzählt die vergessenen Lebensgeschichten jüdischer Spitzensportlerinnen und –sportler vor und nach 1933. Eröffnet wurde die Exposition, die zuvor schon in fünf weiteren Städten große Beachtung fand, am 7. November um 18.30 Uhr im „Haus des Sports“ des Landessportbundes Berlin (LSB).
„Berlin ist der beste Ort für die Ausstellung ‚Vergessene Rekorde’. Zwei unserer drei Protagonistinnen, Lilli Henoch und Martha Jacob, waren Mitglieder in renommierten Berliner Vereinen. Die dritte, Gretel Bergmann, erlebte vor 75 Jahren anlässlich der Olympischen Spiele 1936 in Berlin den Rauswurf aus der Kernmannschaft. Denn nichts anderes war ihre Nichtnominierung. Sie war die erfolgt, obwohl Gretel Bergmann den deutschen Hochsprungrekord in der Olympiaqualifikation egalisiert hatte“, so der Potsdamer Sportwissenschaftler und Initiator der Ausstellung Prof. Dr. Hans Joachim Teichler. Der Forscher wünschte sich bei der Eröffnung auch, dass die Ausstellung nach Abschluss ihrer Wanderschaft im Jahr 2013 fest in der Bundeshauptstadt etabliert werden sollten.
„75 Jahre nachdem die deutschen Nationalsozialisten die Olympischen Sommerspiele für ihre Propagandazwecke missbraucht und das eigene Regime mit ihrer Hilfe im Ausland positiver darzustellen versucht hatten, bedeutet es für uns als Zentrum deutsche Sportgeschichte Berlin-Brandenburg e.V. sehr viel, die Wanderausstellung in der Bundeshauptstadt zu haben. Nach der Sporthochschule in Köln und dem Deutschen Olympischen Sportbund in Frankfurt am Main ist der Landessportbund Berlin jetzt der dritte Gastgeber im unmittelbaren Bereich des Sports. Dem LSB, der sich wie kein anderer um die sportliche Erinnerungskultur verdient gemacht hat, folgen hoffentlich weitere Landessportbünde“, erklärte Dr. Jutta Braun, Mitautorin der Präsentation den 50 geladenen Gästen im Haus des Sports.
Mit dem 7. November öffneten sich die Türen zur Exposition „Vergessene Rekorde“ nur zwei Tage, bevor sich erneut Menschen in Deutschland und darüber hinaus an die Geschehnisse der Reichspogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 mahnend erinnern. Der Zeitpunkt der Ausstellungseröffnung fällt in dieses Gedenken. „Die Biografien von Lilli Henoch, Gretel Bergmann und Martha Jacob, um die es insbesondere geht, stehen exemplarisch für einen Teil der Sportgeschichte, der niemals in Vergessenheit geraten darf. Ich bin sicher, die Besucher werden das Schicksal dieser drei Leichtathletinnen dank der vielen eindrucksvollen Fotos und sensibel zusammengetragenen historischen Details für immer in Erinnerung behalten“, so LSB-Präsident Klaus Böger.

Veranstalter: Landessportbund Berlin, Universität Potsdam, Zentrum deutsche Sportgeschichte
Veranstaltungsort: Landessportbund Berlin, Jesse-Owens-Allee 2, 14053 Berlin